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Schutz vor Gewalt

Stellungnahme der Lebenshilfe Bremen zum Thema:

Prävention von Grenzverletzungen und Gewalt gegenüber Menschen mit Behinderung

 
Der Fernsehsender RTL berichtete über schwerwiegendes Fehlverhalten und Gewalt von Mitarbeitenden einzelner Lebenshilfe-Einrichtungen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland Pfalz gegenüber Menschen mit Behinderungen. Dies nehmen wir zum Anlass, unsere eigenen Anstrengungen zur Prävention von Grenzverletzungen und Gewalt in Bremen zu erläutern.

Die Lebenshilfe Bremen engagiert sich seit ihrer Gründung als Elternverein gegen Benachteiligung und Gewalt und für das Recht auf gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderung in unserer Gesellschaft.
Nachfolgende Beispiele veranschaulichen, was wir dazu in den letzten Jahren getan haben:

  • Im Bereich der Angebote für Kinder und Jugendliche wurden Leitlinien zur Gewaltprävention erarbeitet.
  • Zwei Mitarbeiterinnen haben eine Zusatz- Ausbildung zur Kinderschutzfachkraft absolviert und beraten Mitarbeitende fortlaufend zu Fragen des Kindeswohls.
  • Wir erarbeiteten einen Ablauf zur Sicherung des Kindeswohls, der regelmäßig mit den Beteiligten in Qualitätszirkeln überprüft und verbessert wird.
  • Die MitarbeiterInnen setzen sich in regelmäßig angebotenen Fortbildungen (z.B. Einführungsveranstaltungen, Grundlagenschulungen, Fachveranstaltungen zu Paternalismus und Gewalt) mit ihrer eigenen Haltung sowie mit Formen und Folgen von Gewalt gegenüber Menschen mit Behinderung auseinander.
  • Der Bewohnerbeirat (Selbstvertretungsgremium der BewohnerInnen unserer Wohnangebote) widmet sich seit Jahren dem Thema Gewalt, indem er Ratschläge zur Selbsthilfe entwickelt sowie Forderungen gegenüber den Entscheidungsträgern formuliert.
  • NutzerInnen und Angehörige werden zu Ideen und Kritik ermuntert und z.T. auch systematisch zur Zufriedenheit befragt.
  • Unsere Erfahrungen und unser Fachwissen zur guten Unterstützung von Selbstvertretungsgremien haben wir in Konzeptionen beschrieben, die regelmäßig überprüft und angepasst werden.
  • Wir arbeiten mit externen Fachstellen (z.B. Schattenriss, pro familia) zusammen.
  • Wir analysieren, welche Risiken und Ressourcen (team-, personen- und leitungsbezogen) im Bereich des Wohnens vorliegen.
  • Mit neuen MitarbeiterInnen werden Haltungsfragen und Grenzverletzungen angesprochen und reflektiert.
  • MitarbeiterInnen nutzen Supervision und kollegiale Beratung.
Inzwischen entwickeln wir ein System, das in allen Bereichen der Lebenshilfe Bremen Grenzverletzungen und sexualisierte Gewalt gegen Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Behinderung verhindern soll.
Geleitet wird das bereichsübergreifende Projekt zur Gewaltprävention von Andreas Klose, Qualitätsbeauftragter der Lebenshilfe Bremen. Beratung und Unterstützung erhalten wir vom Leiter der Fachstelle für Gewaltprävention in Bremen und Bremerhaven, Christian Spoden. Durch seine Arbeit mit den TäterInnen kennt er ihre Strategien und weiß, welche Maßnahmen zur Verhinderung von sexualisierter Gewalt sinnvoll sind.

Das Projekt startete im Mai 2016. Inzwischen wurden ein ExpertInnen-Team und zwei FachberaterInnen durch die Fachstelle Gewaltprävention qualifiziert. Mit ihrem Fachwissen bearbeiten die ExpertInnen jede Meldung zu Grenzverletzungen und sexualisierter Gewalt. Das Ergebnis ihrer Fallbearbeitung geben sie als Entscheidungshilfe an die zuständige Leitung weiter. Aus dem Kreis der ExpertInnen kommen die beiden FachberaterInnen. Sie führen die Basis-Schulung durch und sorgen zusammen mit dem Qualitätsbeauftragten für die fachliche Weiterentwicklung der Prävention.

Für alle MitarbeiterInnen der Lebenshilfe Bremen ist eine Basis-Fortbildung zu sexualisierter Gewalt und geistiger Behinderung verbindlich. Die Fortbildung findet als Tagesseminar statt. Sie wird laufend fortgesetzt.

Zur professionellen Bearbeitung von Verdachtsmeldungen und Vorfällen wird ein bereichsübergreifendes Fallmanagement eingerichtet und ein niedrigschwelliges Beschwerdeverfahren etabliert.

In allen Bereichen werden Risiko- und Ressourcenanalysen durchgeführt. Die Kommunikation und Dokumentation wird im Sinne der Prävention weiterentwickelt. Es werden Leitlinien zur Prävention (Verhaltenskodex) erarbeitet.

Bei der Auswahl, Einstellung und Einarbeitung von MitarbeiterInnen werden wir gewaltpräventive Kriterien anwenden. Beispielsweise werden BewerberInnen nach ihren Erfahrungen mit Grenzverletzungen und sexualisierter Gewalt befragt oder es werden mit neuen KollegInnen Reflexionsgespräche zu Menschenbild und Machtmissbrauch geführt.

Das beschriebene Vorgehen hilft, dass Gewalt und Grenzverletzungen an vielen Stellen angesprochen und bearbeitet werden und wir unsere Professionalität im Hinblick auf Prävention erweitern. Durch qualitätssichernde Strukturen und Prozesse werden wir unsere Präventionsarbeit weiterentwickeln und verbessern.

Bitte sprechen Sie uns an, wenn Sie Fragen haben oder etwas Auffälliges bemerken.
Ansprechpartner: Andreas Klose, Tel. 387 77 23, klose@lebenshilfe-bremen.de